Dendrochronologie
als Datierungsverfahren
Dendrochronologie ist eine
faszinierende Wissenschaft, die sich mit der Auswertung von
Baum-Jahrringen beschäftigt. In der Abfolge unterschiedlich
breiter Jahrringe und – bei noch feinerer Auflösung – im
Zellwachstum des Holzes ist ein jahrgenaues Archiv früherer
Umweltbedingungen erhalten. Das „Lesen“ dieser Archivbände ist das
Aufgabengebiet der Dendrochronologie im weiteren Sinne. Im engeren Sinn
ist sie z. B. in der Archäologie, der Bau- und Kunstgeschichte ein
inzwischen unverzichtbares, wertvolles und standardmäßig
angewendetes Datierungsverfahren. Obwohl das Prinzip der Methode
weitgehend bekannt ist, sollte „nutzerseitig“ zumindest ein wenig
Detailwissen um Möglichkeiten – aber auch Grenzen – vorhanden sein. Dadurch werden zum einen
Missverständnisse und Enttäuschungen vermieden (warum
lässt sich mein Astfund nicht datieren?), zum anderen wird die
Sicht bezüglich der Auswertungs- und Anwendungsmöglichkeiten
erweitert.
Das
Überbrückungsverfahren als Prinzip der dendrochronologischen
Datierung:
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Dendrochronologische Arbeit in
Göttingen
Göttingen hat eine bis zu Beginn
der 1970er Jahre zurückreichende dendrochronologische Tradition:
A. Delorme baute seinerzeit am Labor der Universität im Rahmen
seiner Doktorarbeit eine Eichen-Jahrringchronologie für das bis
dahin dendrochronologisch „unerschlossene“ südliche Niedersachsen
auf. Schwerpunktmässig wurden im später durch Dr. H. H.
Leuschner geleiteten Uni-Labor jedoch geologisch eingelagerte
Hölzer aus Kiesgruben und Mooren unter ökologischen und
klimageschichtlichen Aspekten ausgewertet und eine der weltweit
längsten, bis in das 9. vorchristliche Jahrtausend
zurückreichenden Chronologien erstellt. Da ein Datierungsservice
nur begrenzt möglich war, gründete B. Leuschner 1987 das
Privatlabor DELAG, um speziell diesem steigenden Bedarf gerecht
zu werden. Aufträge werden so unbürokratisch, zügig und
flexibel erledigt. Bis dato wurden für Baudenkmalpfleger,
Archäologen, Restauratoren, Architekten u. a. tausende von
Hölzern aus dem nord- und mitteldeutschen Raum untersucht. Heute
verfügt DELAG über eines der regional bestbelegten
und am weitesten zurückreichenden Dendro-Datennetze Europas. Neben
der Eiche als vorherrschender Baumart werden Kiefern, Fichten und
Buchen bearbeitet. Privat- und Uni-Labor ergänzen sich in idealer
Weise: DELAG stellt dem Uni-Labor Material für
wissenschaftliche Auswertungen zur Verfügung. Das Erfahrungs- und
auch Materialpotential (weit zurückreichende Chronologien aus
geologisch eingelagerten Hölzern) des Uni-Labors wiederum kommt DELAG
zugute.
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Datierungsbasis und zeitliche
Reichweite
DELAG verfügt über
ein dichtes laboreigenes Netz nord- und mitteldeutscher Chronologien:
- für Eichenhölzer
lückenlos von heute bis 8000 v. Chr. (im vorchristlichen Bereich
vorwiegend durch Material des Uni-Labors Göttingen gestellt),
- für Kiefern ab 1470 und
Fichten ab 1350 (Stand 02/2009),
- älteres Material und generell
andere Baumarten sind fallweise in Abhängigkeit von Materialumfang
und Herkunft aussichtsreich.
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